Digitale Zählgeräte, Livebilder aus der Turnhalle, aktuelle Spielstände auf der Homepage und eingeblendete Sponsoren: Was vor wenigen Jahren im Amateur-Tischtennis noch eher ungewöhnlich war, lässt sich inzwischen auch von kleineren Vereinen mit überschaubarem Aufwand umsetzen. Der TTV 1979 Tirpersdorf setzt seit dieser Saison die digitalen Zählgeräte von Janova in Verbindung mit Livestreaming ein – und hat dabei bereits einige Erfahrungen gesammelt.
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Die Technik ist beherrschbar. Allerdings sollte ein Verein nicht unterschätzen, wie wichtig eine saubere Vorbereitung ist.
 
Ohne stabiles Internet geht es nicht
 
Grundvoraussetzung für einen zuverlässigen Livestream ist eine schnelle Internetverbindung. Ideal ist ein stabiles WLAN auf Basis eines leistungsfähigen DSL- oder Glasfaseranschlusses. Gerade wenn mehrere Tische gleichzeitig übertragen werden sollen, wird entsprechend viel Bandbreite benötigt.
 
Wo keine ausreichend schnelle Festnetzverbindung vorhanden ist, kann auch eine gute Mobilfunkverbindung eine Alternative sein. Das sollte allerdings unbedingt vor dem ersten Punktspiel getestet werden – möglichst genau zu der Tageszeit, zu der später auch gestreamt werden soll.
 
Mindestens genauso wichtig wie das Internet sind ein oder zwei technikaffine Vereinsmitglieder, die sich etwas intensiver mit der Lösung beschäftigen. Gerade in der Anfangsphase ist es hilfreich, wenn die Mannschaften beim Aufbau und bei der Bedienung unterstützt werden.
 
Gute Vorbereitung nimmt den Stress aus dem Spieltag
 
Der größte Gegner der Technik ist häufig nicht ein Softwarefehler, sondern die Zeit.
Kurz vor einem Punktspiel müssen Aufstellung, Begrüßung, Einspielen und organisatorische Dinge erledigt werden. Wenn dann gleichzeitig noch Kameras eingerichtet, Zählgeräte angemeldet und Streams gestartet werden müssen, kann es schnell hektisch werden.
Beim TTV 79 hat es sich deshalb bewährt, mit einfachen Checklisten zu arbeiten. Darin ist festgehalten, welche Schritte in welcher Reihenfolge abzuarbeiten sind.
 
Auch die Mannschaftsaufstellung sollte möglichst frühzeitig feststehen. Erst wenn die Begegnung in TTLive vollständig aufgestellt und freigegeben ist, sollten die digitalen Zählgeräte mit dem aktuellen Spiel verbunden werden.
 
Noch vorhandene aktive Begegnungen in der Matchdatenbank müssen vorher beendet sein. Auch beim Login gibt es Besonderheiten, denn an den Zählgeräten erfolgt die Anmeldung anders als in TTLive. Eine kurze, bebilderte Bedienungsanleitung kann hier viele Fehler verhindern.
 
Und noch etwas gehört zur Vorbereitung: Die gegnerische Mannschaft sollte selbstverständlich vorab darüber informiert werden, dass das Spiel live übertragen werden soll.
 
Jeder Tisch bekommt sein eigenes Technikpaket
 
In Tirpersdorf wurde für jeden Tisch ein eigenes Set zusammengestellt. Dazu gehören ein digitales Zählgerät – in diesem Fall ein älteres iPad –, ein zusätzliches Display für die Zuschauer in der Halle, mehrere Akkus beziehungsweise Powerbanks, ein als Kamera eingesetztes älteres iPhone, ein Stativ sowie die notwendigen Kabel.
Vor einem Spieltag werden sämtliche Geräte vollständig geladen.
 
Ein Detail hat sich dabei als besonders hilfreich erwiesen: Alle Geräte und Kabel sind eindeutig beschriftet.
 
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Doch nach einem langen Punktspielabend werden Geräte schnell einmal in die falsche Kiste gelegt. Wird beim nächsten Spieltag beispielsweise die Kamera von Tisch 1 versehentlich Tisch 2 zugeordnet, beginnt die Fehlersuche genau dann, wenn eigentlich keine Zeit mehr dafür vorhanden ist.
 
Je eindeutiger die Technik organisiert ist, desto entspannter läuft später der Spieltag.
 
Alte Hardware muss nicht automatisch ausgemustert werden
 
Auch ältere Geräte können für ein solches System durchaus noch gute Dienste leisten.
Beim TTV 79 läuft TTLive beispielsweise auf einem älteren Laptop, auf dem ein aktuelles Linux-Mint-Betriebssystem installiert wurde. Damit kann Hardware weiterverwendet werden, die für andere Aufgaben möglicherweise schon ausgemustert worden wäre.
 
Wichtig ist allerdings, dass das Betriebssystem weiterhin aktuell und sicher ist. Von Geräten mit längst nicht mehr unterstützten Betriebssystemen sollte insbesondere bei einer dauerhaften Internetverbindung Abstand genommen werden.
 
Die Kamera sollte stehen, bevor der Stream startet
 
Auch beim eigentlichen Livestream gibt es einige praktische Details, die erst im laufenden Betrieb auffallen.
 
Die eingesetzten iPhones verbinden sich in der Regel problemlos mit YouTube. Bevor die Übertragung gestartet wird, sollte die Kamera jedoch bereits im Querformat im Stativ befestigt und sauber auf den Tisch ausgerichtet sein.
Wer erst nach dem Start versucht, die Kamera zu drehen oder den Bildausschnitt grundlegend zu verändern, produziert schnell einen wenig professionellen Start in die Übertragung und der Livestream erfolgt hochkant.
 
Sehr interessant ist aus Vereinssicht die Möglichkeit, eigene Werbung und Sponsoren in den Stream einzublenden. Der TTV 79 hat bereits Spieltage unter dem Stern von Sternquell sowie der Volksbank Vogtland-Saale-Orla eG durchgeführt.
 
Damit entsteht ein zusätzlicher Mehrwert für Vereinspartner: Ihre Unterstützung wird nicht nur in der Turnhalle sichtbar, sondern auch für die Zuschauer vor den Bildschirmen.
Parallel dazu kann ein Liveticker auf der Vereins-Homepage eingebunden werden. Dort lässt sich der aktuelle Spielstand nahezu in Echtzeit verfolgen.
 
Nicht gleich beim ersten Spiel alles auf eine Karte setzen
 
Auch wenn das System grundsätzlich einfach zu bedienen ist, empfiehlt es sich, den Einstieg schrittweise zu gestalten.
 
Die ersten ein oder zwei Begegnungen können beispielsweise zunächst ohne große öffentliche Ankündigung übertragen werden. So können Abläufe getestet, typische Fehler erkannt und die Zuständigkeiten innerhalb des Vereins geklärt werden.
 
Beim TTV 79 lagen in der Anfangsphase vorsichtshalber immer auch die klassischen Zähltafeln und ein Papier-Spielbericht bereit.
Diese Rückfallebene nimmt enorm viel Druck aus der Situation. Sollte kurz vor dem Spiel tatsächlich etwas nicht funktionieren, kann die Begegnung trotzdem pünktlich beginnen.
 
Nach wenigen Spieltagen stellt sich allerdings bereits eine gewisse Routine ein.
 
Was passiert, wenn jemand nicht im Bild erscheinen möchte?
 
Auch Fragen rund um Persönlichkeitsrechte und Datenschutz sollten vorab geklärt werden.
Möchte eine Person beispielsweise nicht gefilmt werden, kann unter Umständen nur ein Tisch übertragen werden. Darüber hinaus gibt es technische Lösungen, mit denen Gesichter in bestimmten Situationen unkenntlich gemacht beziehungsweise verpixelt werden können.
Damit lässt sich die Technik flexibel einsetzen, ohne die Wünsche einzelner Beteiligter zu ignorieren.
 
Der eigene Gegner schaut vielleicht ebenfalls zu
 
Livestreaming verändert allerdings nicht nur die Zuschauerperspektive.
Für die Spieler selbst entsteht eine völlig neue Möglichkeit der Analyse. Nach dem Spiel kann man sich zu Hause noch einmal in Ruhe anschauen, wie man am Tisch gestanden hat, welche Fehler bei der Aufschlagannahme entstanden sind oder warum bestimmte Bälle nicht funktioniert haben.
 
Natürlich gibt es auch die andere Seite: Der nächste Gegner kann sich die Übertragungen ebenfalls ansehen und sich bereits vorab einen Eindruck von Spielweise, Aufschlägen oder taktischen Gewohnheiten verschaffen.
 
Vorteil und Nachteil liegen also dicht beieinander. Der Mehrwert überwiegt aus Sicht des TTV 79 dennoch deutlich.
 
50 Zuschauer gleichzeitig – online statt auf der Tribüne: zusätzlich zu denen in der Turnhalle
 
Besonders bemerkenswert sind die bisherigen Zuschauerzahlen.
 
Bei einzelnen Übertragungen verfolgten bereits mehr als 50 Zuschauer gleichzeitig die Spiele des TTV 79 im Internet. Eine solche Zahl wird bei Punktspielen in den entsprechenden Spielklassen in der Turnhalle kaum erreicht.
 
Noch deutlicher wird das Potenzial bei den späteren Aufrufen: Einzelne Spieltage kommen inzwischen auf 3.000 bis 4.000 Klicks.
Damit erreicht ein Punktspiel plötzlich Menschen, die sonst vermutlich nie den Weg in die Turnhalle gefunden hätten.
 
Die Übertragungen werden unter anderem in örtlichen WhatsApp-Gruppen geteilt. Dadurch erfährt auch das Umfeld des Vereins, wann gespielt wird und was gerade in der Halle passiert.
Und vielleicht entsteht daraus sogar ein positiver Nebeneffekt: Wer zunächst einmal online zuschaut, kommt beim nächsten Heimspiel möglicherweise persönlich vorbei.
 
Mehr Sichtbarkeit für den Tischtennissport
 
Genau darin liegt für den TTV 79 einer der größten Vorteile.
 
Livestreaming macht den eigenen Verein sichtbarer. Es verbindet sportlichen Wettbewerb, moderne Technik und Öffentlichkeitsarbeit miteinander. Gleichzeitig bietet es Sponsoren neue Präsentationsmöglichkeiten und schafft für Freunde, Familienangehörige und ehemalige Spieler eine Möglichkeit, die Mannschaft auch aus der Ferne zu verfolgen.
 
Die Technik ist dabei längst nicht mehr nur großen Vereinen oder professionellen Ligen vorbehalten.
 
Entscheidend sind vor allem eine gute Vorbereitung, klare Zuständigkeiten und etwas Geduld bei den ersten Einsätzen.
Sind die Abläufe einmal eingespielt, wird aus dem zunächst technisch wirkenden Projekt schnell ein ganz normaler Bestandteil des Punktspielbetriebs.
 
Der TTV 1979 Tirpersdorf jedenfalls ist von den Möglichkeiten überzeugt
 
Die Technik benötigt am Anfang etwas Aufmerksamkeit – aber wenn sie einmal läuft, eröffnet sie dem Tischtennissport eine völlig neue Bühne.
 
Vereine, die sich ebenfalls mit digitalen Zählgeräten und Livestreaming beschäftigen und sich über die Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz austauschen möchten, können sich gern an den TTV 1979 Tirpersdorf wenden.